Limes_Rundwanderweg_2

Unter dem "JustinusfeIsen" ist ein wenige Meter hoher Schieferfelsen zu verstehen, der sich am linken Talhang neben der Aartalbahn 250 m nordwestlich des Römerkastells bei Adolfseck erhebt.. In der amtlichen TK 25 und in Wanderkarten wird dagegen eine Felsrippe 250m weiter nordwestlich fälschlich als "Justinusfelsen" bezeichnet. Die Schieferfelswand mit dem eingetieften Namenszug lanuarlus lustinus unterscheidet sich von den zahlreichen benachbarten Schieferfelsen beiderseits der Aar. Sie ist großflächig eben. Der Tonschiefer ist hier sehr gleichmäßig ausgebildet, fest und relativ frisch und es fehlen die sonst häufigen Quarz"adern", die das Gestein andernorts vielfach durchsetzen. Nur infolge dieser Gleichmäßigkeit und des guten Zusammenhalts des Schiefers konnte der (vermutlich antike) Schriftzug erhalten bleiben. Dazu kommt, daß die Wand senkrecht steht, ja sogar leicht überhängt, somit gegen Niederschläge und Verwitterung geschützt, vor allem der Wetterseite abgewandt war. In Anbetracht der Nähe des Römerkastells und des keine 200 m südlich vorbeiziehenden Limes mit seinen Wachtürmen und dem damit verbundenen Bedarf an Bausteinen könnte man die besagte Felswand als einen im Steinbruchbetrieb stehengebliebenen Gesteinsrest ansehen. Zwar diente der Tonschiefer bei den ihm benachbarten Bauwerken vielfach als Baustein. So beispielsweise beim Burgenbau im Mittelrhein- und Wispertal. Auch ist anzunehmen, daß gewisse jetzt zugewachsene Nischen im felsigen Hangfuß beiderseits des Aartals römischer Materialentnahme ihren Ursprung verdanken. Besagte Felswand hingegen stellt eine natürliche ebene Trennfläche, eine Kluft/Spalte im Tonschiefer dar, quer zu den Schieferungsflächen (Dachschiefer-Flächen). Und zwar aus folgendem Befund: 1. Es gibt außer den eingetieften Buchstaben an der Wand und in ihrer Umgebung keinerlei künstliche Bearbeitungsspuren. 2. Die Richtung der Wand ist um 20° gegen die Nordrichtung nach Nordnordwest gedreht. Es ist die im gesamten Aartal im Tonschiefer häufigste Kluft-und Spaltenrichtung. Diese Trennflächen, die einander parallel verlaufen, entstanden vor Millionen Jahren bei der Auffaltung des Taunus. Es ist auch kein Zufall, daß das Aartal im Abschnitt Adolfseck - Sandelmühle genau diese Richtung verfolgt. Der Fluß konnte sich dort, wo viele parallele Spalten das Felsgestein zerteilen, am leichtesten in das Gebirge einschneiden, hier war für ihn der Weg des geringsten Widerstandes: Die geologische Struktur des Gesteins gab so der Aar ihre Fließrichtung vor. von Dr. E. Kümmerle, Eltville aRh.