Langenseifen_Wappen_1

Jüngster Sakralbau in Bad Schwalbach ist die 2012 fertig gestellte evangelische Kapelle Langenseifen. Eine eigene Kapelle zu errichten war ein lang gehegter Wunsch der zur Kirchengemeinde Bärstadt gehörenden Bevölkerung, die weite Wege zurücklegen musste, um an einem Gottesdienst teilzunehmen. Die Pfarrchronik berichtet bereits 1910 vom ersten Anlauf, der so erfolglos blieb wie der zweite 1927. Erst der dritte Versuch, grundlegend begünstigt durch die großzügige Spende des ehemaligen Kirchenvorstehers Werner Ernst, brachte den Startschuss für den Traum eines eigenen Gotteshauses. Ernst schenkte 2001 der Kirchengemeinde Ackerland mit der ausdrücklichen Bitte, dort eine Kapelle zu errichten. Vier Jahre später schuf der Bildhauer Holger Walter den Altar, der aus einer 3,92 Meter hohen und rund sechs Tonnen schweren Basaltlavasäule aus der Eifel besteht. Er wurde am 11. September 2005 in einem Festgottesdienst der Kirchengemeinde übergeben. 2010 erfolgte dann die Grundsteinlegung für die Kapelle, die um die zunächst freistehende Altarskulptur herum errichtet wurde. Der von der Architektin Barbara Schmid entworfene kuppelartige Rundbau auf 85 m² lässt eine kreisrunde Öffnung im Fußboden frei, aus der die Altarsäule etwa einen Meter in den Kapellenraum ragt. Die besondere Kuppelform des Gebäudes zeichnet den Hang nach und fügt sich perfekt in das natürliche Umfeld. Die aus 32 unterschiedlich gebogenen Leimholzbindern bestehende Kuppel ist so konzipiert, dass sich die einzige Tageslichtöffnung direkt über dem Altar befindet und dieses Kunstwerk in Szene setzt. Gleichzeitig wird die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisiert. Für den Bau wurden ausschließlich heimische, unbehandelte Hölzer verwendet. Während die Innenschalung und der Innenausbau aus Weißtanne besteht, wurde für die Holzaußenschalung Lärche in verschiedenen Stärken und Breiten gewählt, weil Lärche nicht nur robust und langlebig ist, sondern auch natürlich vergraut und sich so langfristig in die Landschaft einbindet. Das von Thomas L. Fuhrich stammende Lichtkonzept hatte sich dem Raumkonzept unterzuordnen. Die notwendigen Leuchten sollten weitestgehend zurückgestellt sein und in den Hintergrund treten. So schmeichelt das Kunstlicht dem Raum, um dem sakralen Ort eine besondere Stimmung zu geben. Die Kapelle auf dem Feld besticht aber nicht nur durch seine ungewöhnliche Optik, sondern auch durch eine außergewöhnliche Akustik, was Gottesdienste und Konzerte zu einem besonderen Erlebnis macht. Die minimalistische Einrichtung beschränkt sich auf das Wesentliche. Links hinter dem Altar findet man ein dezent an der Wand angebrachtes Metallkreuz, das einem Hirtenstab nachempfundenes ist. Auf der rechten Seite ruht eine Bibel zwischen den Konstruktionshözern. Frei daneben steht eine Kerze auf einem einfachen Metallständer. Schlicht sind auch die Polster der Stühle und die Rückeneinbände der Gesangbücher, die sich am dunklen Altarstein orientieren. So kann der Raum seine Schönheit in vollen Zügen präsentieren. In einem Festgottesdienst am 3. Juni 2012 mit dem Kirchenpräsidenten der EKHN, Dr. Volker Jung, erfolgte feierlich die Übergabe an die Gemeinde. Damit hat sich nun ein hundertjahrelanger Wunsch erfüllt.

  • Web: www.kapelle-langenseifen.de